
Es ist der 1. Dezember, und das ist seit 2021 für mich ein ganz besonderer Tag. Er trennt unumkehrbar mein „Davor“ von meinem „Danach“. Es ist der Tag, an dem ich meine erste COVID-19-Impfung bekommen habe, und seither ist nichts mehr so wie vorher.
Um es gleich vorweg zu sagen: es geht mir gut. So gut, wie es eben gehen kann. Ich habe gute Tage, an denen ich voll leistungsfähig bin, und ich habe Schmerz-Episoden und Phasen, in denen meine diversen Symptome das Tempo vorgeben. Was jedoch für mich wesentlich ist: Ich betrachte mich als geheilt. Ich habe mich lange mit der Frage beschäftigt, was Heilung eigentlich ist. Und nun hatte ich ganz persönlich, aus eigener Erfahrung heraus, die Gelegenheit, dieses Thema zu durchdringen. Ich lebe seit vier Jahren mit Post Vac, auch Post Vakzin Syndrom genannt, und ich bin keineswegs darauf vorbereitet gewesen, geschweige denn bin ich Profi in Sachen Krankheit. Heute mache ich mir selbst das Geschenk und schreibe meine Geschichte auf.
Meine wichtigsten Learnings im Umgang mit Post Vac
Es gibt ein „Davor“ und ein „Danach“. Ich lebe seit vier Jahren mit Post Vac, und ich habe auf diesem Weg gelernt, dass es ein individueller Weg ist.
Post Vac, auch Post Vakzin Syndrom genannt, ist eine Multisystem-Erkrankung nach Verabreichung der COVID-19-Impfung. Weltweit sind Millionen davon betroffen. Eine davon bin ich.
Ich habe verstanden: wenn ich gesund werden will, muss ich weitergehen. Mein Körper ist ein Wunder, er regeneriert sich, und ich bin unendlich dankbar für meine Stärke und mein Durchhaltevermögen.
Es gibt nichts anzuklagen. Mitgefühl und Menschlichkeit werden sich immer durchsetzen.
Ein Tag, an dem ich für mich selber eine Kerze anzünde.

Der 1. Dezember ist ein spezieller Tag für mich. Ich halte heute inne und würdige meine Stärke, mein Durchhaltevermögen und meine Disziplin. Ich lebe seit vier Jahren mit einer Multisytem-Erkrankung, die ich in Folge meiner beiden COVID-19-Impfungen erlitten habe. Es ist nun das vierte Mal, dass es ein „Davor“ gibt. Und ich stehe hier, nach wie vor, bis hierhin habe ich es immerhin geschafft. Ich zünde eine Kerze an, nur für mich, und ich beglückwünsche mich dafür, dass ich mich niemals aufgegeben habe, und dass ich anfing zu schwimmen, bevor ich ertrinken konnte.
Davor, das war ein Leben ohne Krankheit. Ich war immer kerngesund gewesen, keinerlei Medikamente erforderlich, und wenn ich mal eine Aspirin nehmen musste, war das schon der Gipfel. Ich ströme mich seit 25 Jahren täglich, und ich schreibe diesem Umstand zu, dass ich in einem wirklich guten gesundheitlichen Zustand gewesen war – und auch heute wieder bin, bis auf die Post Vac Nachlese – ich habe immer noch täglich Symptome.
Es handelt sich beim Post Vakzin Syndrom um eine schwere Nebenwirkung nach einer Impfung, in diesem Fall nach der COVID-19-Impfung. Leider wird das Thema bis zum heutigen Tag nicht auf der Sachebene behandelt. Eigentlich ist es nämlich sehr einfach: da wurde ein Medikament verabreicht (an sehr Viele nicht gerade super freiwillig), welches schwere Nebenwirkungen hat. Im Normalfall ist so etwas daily doing, es wird geforscht, verbessert, aufgeklärt. Nicht so in diesem Fall, denn diese Impfkampagne ist zu einer Glaubenssache mutiert. Es gibt die „Gegner“ und die „Guten“, es ist einfach absurd! Statt den kranken Menschen zu helfen, werden diese diffamiert, stigmatisiert oder belächelt – wenn das mit einem anderen Medikament oder einer anderen Erkrankung passieren würde, gäbe es eine Welle der Entrüstung, da bin ich sicher.
Ich klage nicht an. Ich jammere nicht. Ich stehe heute einfach hier, und ich halte inne, um mir selbst zu verdeutlichen, wie viel Glück ich doch gehabt habe in all‘ dem Elend. Die Schmerzen haben gleich am nächsten Tag begonnen. Sämtliche Gelenke im Körper waren betroffen; ich konnte kaum die Treppe heruntersteigen. Ich habe das damals nur nicht in einen Zusammenhang gebracht, denn ich habe nicht damit gerechnet, dass solche Schmerzen aus der Hölle eine Impfnebenwirkung sein könnten. Eher dachte ich an schwere Grippe-Symptome, daher habe ich es gänzlich missgedeutet.
Damals gab es auch noch keinerlei Informationen über die möglichen Nebenwirkungen. Der „Aufklärungsbogen“, den wir alle unterschreiben mussten, hielt sich sehr vage. Meine Ibu Packung hatte auf jeden Fall eine längere Liste an Nebenwirkungen! Und ich habe damals Ibus geschmissen wie Smarties, bis mein Körper rebellierte. Nach drei Wochen dann: die zweite Impfung. Der Wahnsinn, mit meinem heutigen Wissen krieg ich da wirklich die Krise. Doch damals habe ich meiner Ärztin (und auch der Gesellschaft) vertraut. Danach: nur noch Nebel und Schmerz. Monatelang. Und das Schlimmste: soziale Ausgrenzung und Gaslighting. Die Gesellschaft hatte ihr Wort gebrochen.
Eine Gesellschaft, die körperliche Unversehrtheit gegen soziale Teilhabe einfordert, krankt an Menschlichkeit und Mitgefühl.
Ich hatte sehr lange gezögert, damals, in dieser Zeit, die uns allen heute unwirklich erscheint. Ich hatte mehr als großen Respekt vor einer genverändernden Substanz, die zudem in einem Eilverfahren zugelassen worden ist. Angst war damals jedoch das Mittel der Wahl, Angst vor einem schweren oder tödlichen Verlauf, Angst, ältere Familienmitglieder anzustecken (und somit Schuld zu sein an deren potenziellen Tod), Angst, ein sozialer Versager zu sein (Solidarität wurde als DAS Argument benutzt). Letzteres war mein Thema: auf gar keinen Fall wollte ich ausgegrenzt werden! Deshalb habe ich mich zu einem Zeitpunkt, als längst bekannt gewesen war, dass die Impfung weder vor Ansteckung, noch vor Weitergabe schützt, dennoch impfen lassen, denn ich wollte nicht „draußen“ bleiben.
Ich werde niemals dieses köstliche Gefühl vergessen, als damals die Nadel in meinem Oberarm landete. Endlich, endlich würde ich „dazugehören“! Ich müsste nicht mehr mit dem Rücken an der Wand entlang schleichen, ich wäre ein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft! Wie dramatisch ich mich irren sollte. Denn ironischerweise wurde mir mein Thema ins „Danach“ hinterhergetragen: „Du gehörst nicht zu uns“, schienen es alle Spatzen von den Dächern zu pfeifen. Von einer Randgruppe in die nächste in einem Pieks, das ist schon sehr zynisch.
Ich bin dankbar für meine Erfahrung. Sie hat mich klarer gemacht.
Heute bin ich dankbar. Ja, ich bin dankbar für diese tiefgreifende Transformation. Ich habe begriffen, dass auch ich Teil der Gesellschaft bin. Einer Gesellschaft, die menschenverachtend und krank ist. Sie krankt an Mitgefühl, Klarheit und Ehrlichkeit, und ich kann nicht anders als zu sagen: Eine solche Gesellschaft ist nicht meine. Ich möchte meine Werte und meine Ethik nicht in eine solche Welt geben, die sie mit Füßen tritt. Da ich jedoch Teil des Systems, der Gesellschaft bin, und ich mit Sicherheit weiß, dass ich nicht die Einzige meiner Art bin, habe ich Hoffnung. Ich habe auf diesem Weg im Übrigen auch unglaublich tolle Begegnungen gehabt, Begegnungen voller Mitgefühl und Raum, in dem ich einfach sein konnte. Ich bin sehr dankbar dafür. Die Welt ist ein freundlicher Ort, denn WIR sind dabei.
Ich bin auch dankbar für alle, die mir ins Gesicht gesagt haben:
- „Aber Du weisst doch gar nicht, ob das von der Impfung kommt.“
- „Du bist aber auch empfindlich.“
- „Ist das denn von einem Arzt festgestellt worden?“
- „Du musst doch nur an Deinem Mindset arbeiten.“
- „Du bist eben ein Kollateralschaden.“
- „Also ICH hab nix gemerkt.“
Ehrlich, das ist nicht ironisch gemeint. All‘ das, und noch viel mehr, habe ich zur Kenntnis genommen, war verletzt, habe mich nicht gesehen gefühlt, und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich weitergehen muss, wenn ich gesund werden will. Ich kann mich nicht ewig als Opfer sehen, als Post Vac Erkrankte definieren, denn dann werde ich ertrinken. Ich bin allen dankbar, die mich nicht ernst genommen haben, denn das hat dazu geführt, dass ich mich umso ernster nehme. Ich bin großartig! Ich habe mein Schicksal angenommen und habe es gemeistert. Und das größte Geschenk ist: ich bin mir selber näher gekommen, habe meine Muster und Mechanismen besser verstehen gelernt, und ich kenne nun meine Schwachstellen sehr viel besser als vorher. Beim nächsten Mal werde ich als Erstes auf mein Bauchgefühl hören, das weiss ich jetzt.
Ein Schicksalsschlag, der mein Leben veränderte.
Meine Freundin, die Königin, hat nicht nur ein großes Herz und einen scharfen Verstand, nein, sie ist auch noch unglaublich einfühlsam. Sie hat mir erst kürzlich einen Satz an die Hand gegeben, der sehr stark zu meiner Heilung beigetragen hat: „Du musst doch auch mal würdigen, dass es sich um einen Schicksalsschlag handelt! Was hattest Du für ein Pech!“ Oh, das traf mich mitten ins Herz. Wie Recht sie hat! Es war tatsächlich wie ein Autounfall, plötzlich und ohne Vorwarnung wurde mir der Boden unter den Füßen weggezogen, und ich konnte mich dem Schock nur hingeben.
Neben dem Schockzustand hatte ich natürlich jede Menge Symptome, die ich nicht zuordnen konnte: Brain Fog, eine Form des Fatigue Syndroms (ich hatte Glück und habe keine ME / CFS entwickelt), Mitochondriopathie, Schmerzen und Enzündungen in nahezu allen Gelenken und Nervenbahnen, Neuroinflammation, Drehschwindel sowie das Hand-Fuß-Syndrom waren gut drei Jahre meine täglich wechselnden Begleiter.
Zum Glück gab es auch immer wieder Phasen, in denen mein Körper, dieses Wunderwerk, sich erholte und ich meine Arbeit wieder aufnehmen konnte, tatsächlich in den Urlaub fahren oder auch mal einfach ein halbwegs normales Leben führen konnte. Doch immer, wenn ich dachte, ach guck, jetzt hab ich mich regeneriert, ging es wieder von Vorne los. So kam es, dass ich mehr durch Zufall meinen Arzt fand (bis heute glaube ich ja, dass meine Oma Mimi im Himmel an den Strippen gezogen hat, damit ich ihn finde!) und eine umfängliche Diagnostik plus Behandlung bekam. Nun habe ich es schwarz auf weiß, und ich habe zwei Meldeziffern beim RKI (was natürlich ohne Konsequenzen blieb, aber dennoch). Und das Beste: die Behandlung ist von Erfolg gekrönt. Ich genese jeden Tag ein bisschen mehr, und auch wenn es immer wieder Rückschläge gibt, so glaube ich fest daran, dass ich diesen Schicksalsschlag meistern werde.
Meine Erkenntis: Es gibt das Post Vac Syndrom, aber es gibt nicht DAS Post Vac Syndrom.
Ich habe mich eine Zeit lang mit anderen Betroffenen vernetzt. In einer Phase der tiefen Verzweiflung und Ohnmacht, als es mir wieder einmal sehr schlecht ging, habe ich eine Reihe von Videos veröffentlicht (die ich dann auch wieder entfernt habe), in denen ich über meinen Weg gesprochen habe. Ich wollte damit die Welt erreichen, aufklären, na halt das ganze Programm, welches in einem emotionalen Schockzustand abläuft, abspulen.
Doch dann habe ich gemerkt: nein, das fühlt sich nicht stimmig an. Ich kann allenfalls für mich allein sprechen, und ich kann selbstverständlich allgemeingültig darauf hinweisen, dass es sich um eine Krankheit handelt, die aufgrund eines Medikaments ausgelöst worden ist. Doch sowohl der Verlauf, als auch die Symptome sind individuell. Ich möchte nicht in dieser Post Vac Identität festkleben, ich möchte weitergehen, weiterschwimmen, denn ich möchte wieder gesund sein.
Ich halte nicht an Meinungen fest, ich lasse alle Meinungen über mich hinwegfegen. Es ist mein Leben, und ich stehe hier fest und unverbrüchlich mit meiner Haltung: nie wieder werde ich mich selbst aufgeben. Es gibt nichts anzuklagen. Mitgefühl und Menschlichkeit werden sich immer durchsetzen. Ich hoffe sehr, dass es den anderen Betroffenen gelingt, ihren eigenen Weg zu finden. Denn das habe ich aus den vergangenen Jahren für mich mitgenommen: es ist mein Weg. I did it my way.

ÜBER MICH: Ich bin Jin Shin Jyutsu Praktikerin aus Krefeld. Im Jahr 2000 habe ich Jin Shin Jyutsu, auch als „Strömen“ bekannt, kennengelernt. Nach meiner Ausbildung zur Jin Shin Jyutsu Praktikerin und Selbsthilfelehrerin habe ich 2004 meine eigene Praxis gestartet. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich diese Kunst bis heute mit so vielen Menschen teilen darf. Ich gebe Selbsthilfekurse und auch Einzelbehnadlungen. Mein Leitmotiv ist: Zurück in die Einfachheit. Es ist alles schon da!
Ausserdem bin ich Bloggerin und ein Great Ager: ich ermutige Frauen, jenseits von Altersklischees ein großartiges Leben zu führen. Ich schreibe nicht nur darüber, sondern kombiniere es mit dem Strömen – ein einfacher, kraftvoller und äußerst effektiver Weg zur Selbstermächtigung.
Mehr über mich findest Du hier: Über mich.

Liebe Johanna, heute ist der 2.12. Ich zünde eine Kerze für dich an. Einfach zur Unterstützung.
Was für ein großartiger Artikel! Authentisch, berührend, differenziert.
Unsere Gründe FÜR die Impfung gleichen sich übrigens. Auch das hat mich berührt.
Ich hatte zu dem Zeitpunkt zudem gerade eine Krebserkrankung überstanden und war noch wie im Nebel.
Dein Artikel erzählt vom großartigen Weg einer großartigen Frau.
Danke dafür.
Ilona
Liebe Ilona,
herzlichen Dank für Deine Worte. Und für die Kerze! Das hat mich ganz besonders gefreut, und es beweist mir ein weiteres Mal: die Welt IST ein freundlicher Ort!
Herzliche Grüße.
Liebe Johanna,
Du schreibst grossartig!
Ich freue mich sehr, dass es Dir heute grundsätzlich wieder gut geht und Du die ’schlechten‘ Tage mit einer gehörigen Portion Gelassenheit leben kannst. Ich konnte Deinen langen Weg nach der Impfung ja mitverfolgen.
Der Song erinnerte ich mich spontan an den Abend als ich unterging und Du mir beim Strömen dabei geholfen hast an die Oberfläche zurück zu schwimmen.
Danke für Deine Freundschaft.
Liebe Petra,
ich danke Dir ebenfalls für Deine Freundschaft und Loyalität.
So können wir nur gewinnen!
Sei gedrückt.
Das klingt alles nach einem abgeschlossenen Kapitel. Und doch wissen wir alle, dass man auf Rückschläge vorbereitet sein muss. Immer. Nicht nur bei Post Vac Syndrom. Es ist toll, dass Du einen Weg nach oben gefunden hast. Aber verzweifele nicht beim nächsten Infekt. Das Leben ist ein ruhiger Fluss mit ganz vielen Katarakten… Augen zu und durch heißt es dann eben.ich drücke Dich ganz fest.
Liebe Bea,
so oder so: es geht immer weiter, und JETZT ist es am besten, nicht wahr?
Ich drück Dich auch ganz fest.
Liebe Johanna,
es ist eine Geschichte mit vielen Facetten, und am Ende kannst du wieder strahlen. Das ist das Wichtigste!
Liebe Grüße
von Katrin