Der Blasenstrom: Mein Weg zu mehr Weichheit

Veröffentlicht am Kategorisiert als Jin Shin Jyutsu, Persönliches 1 Kommentar zu Der Blasenstrom: Mein Weg zu mehr Weichheit
Johanna Wienzek Weichheit

Das Leben meint es gerade richtig gut mit mir – vielleicht auch, weil ich es gerade richtig gut mit mir meine.
Ich, 2020

Manchmal braucht ein Strom Jahrzehnte, bis er mit Dir spricht.

Den Blasenstrom kenne ich, seit ich Jin Shin Jyutsu praktiziere, also seit dem Jahr 2000. Er ist einer der drei Basic-Ströme für die „tägliche Wartung“. Nachzulesen in Mary Burmeisters Selbsthilfebuch 1, Seite 48–52. Einfache Anwendung, hilft bei Rückenschmerzen, Ansammlungen jeglicher Art und Angstprojekten. Ich hatte ihn mir notiert, ich hatte ihn auch oft geströmt – und trotzdem wartete er mit seinem ganz persönlichen Zauber auf mich, bis ich so weit war.

Das war vor sechs Jahren. Und es sollte mein Leben verändern.

Kurz und knackig: Der Blasenstrom

Jin Shin Jyutsu ist eine energetische Behandlungsmethode zur Harmonisierung unserer Lebensenergie. In ihrem Selbsthilfebuch 1 hat Mary Burmeister verschiedene Strömsequenzen zusammengestellt, die zur täglichen Wartung dienen.

Einer der Basic-Ströme ist der Blasenstrom. Er harmonisiert die komplette Rückseite unseres Körpers und ist besonders bei Rückenschmerzen ein sehr effektiver Helfer.

In meinem eigenen Erfahrungsbericht erfährst Du, welches Geschenk er darüber hinaus mitbringt: Weichheit, Vertrauen und Geschmeidigkeit.

Eine besondere Anwendungsmöglichkeit: 6 Wochen lang jeden Tag diesen einen Strom strömen. Es ist eine sehr intensive Arbeit, die auf allen Ebenen „aufräumt“ und die einen entgiftenden sowie reinigenden Effekt hat.

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Eine Frage, die alles ins Fließen brachte

Zu Beginn des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 stellte ich meinem Lehrer Matthias Roth eine Frage. Eigentlich wollte ich nur etwas zum Monatsthema in seinem Online-Studienkreis wissen. Aber ich hatte auch Rückenschmerzen, seit Anfang des Jahres, schwankend stark, also dachte ich, ich kann doch auch mal nach einem Ström-Tipp fragen.

Ich muss dazu sagen, dass ich bis dato keine nennenswerten Schmerzen gekannt hatte. Doch irgendwie hatten sich diese Rückenschmerzen eingeschlichen, und ich konnte mich nur noch eingeschränkt bewegen. Manchmal war ich so starr, dass ich nicht einmal mehr Yoga machen konnte. Und ich hatte natürlich schon alles Mögliche an Strömereien ausprobiert, hatte geströmt, was mir im Zusammenhang mit Schmerzen sinnvoll erschien. Die Schmerzen blieben.

„Was schreibe ich mir da in meinen Körper?“, fragte ich Matthias. Ich wollte natürlich kein Ström-Rezept. Ich wollte wissen, was er spontan dazu fühlte.

Matthias empfahl mir den Blasenstrom. „Ganz klassisch“, wie er sagte. Aber die Art, WIE er diesen klassischen Strom und seine Wirkung erläuterte, begeisterte mich sofort ganz neu. Er sprach von einem Wasserfall, der den Rücken hinunterstürzt, von Sicherheit, die ich in mir spüren kann. Der Blasenstrom verströmt sich, spült alles mit, alles hinfort, was das Wasser mit sich führen kann, und spült meine Reserven doch nie vollkommen leer, denn das Wasser des Lebens, das Wasser des Blasenstroms macht mich weich, spült mich weich und sorgt immer für einen soliden Bestand in meinen Zisternen.

Er erlaubt mir, mich zu verströmen, und gleichzeitig auch alles, was ich benötige, für mich zu behalten. Es gibt kein „Entweder – oder“, sondern ein „Sowohl – als auch“. Es gibt keinen Mangel! Meine Kraftreserven werden immer gefüllt, meine inneren Verhärtungen weichen auf und ich werde geschmeidig und kann voller Hingabe dem Leben begegnen.

Ganz wunderbare Worte und Gedanken, die ich in dieser Online-Fragestunde von Matthias bekomme. Ich bin zutiefst berührt von dieser Sichtweise des Blasenstroms.

Es gibt kein „Entweder – Oder“, sondern ein „Sowohl – als auch“! Es gibt keinen Mangel.
Matthias Roth

Matthias rät mir, den Strom, und nur diesen, zweimal täglich zu strömen. Gründlich und ausdauernd, mindestens sechs Wochen lang.

Ich beginne noch am selben Abend. Und erlebe bis dahin Ungekanntes.

Als der Schmerz die Seite wechselte

Ich hatte den Blasenstrom in zwanzig Jahren natürlich schon häufig geströmt. Aber er hatte bis dahin noch nie „mit mir gesprochen“. Bislang war da immer die Angst im Fokus gewesen – nicht das Weichwerden, nicht das „Sowohl – als auch“.

„Wieso eigentlich Angst?“, fragst Du Dich jetzt womöglich. Im Jin Shin Jyutsu spielen Emotionen natürlich auch eine Rolle. Unsere Gefühle können uns auf bestimmte Art und Weise unterstützen oder hemmen, und durch die sanfte Anwendung bestimmter Ströme können wir festgefahrene emotionale Zustände lösen – im Falle des Blasenstroms ist es die Angst, die den Rücken verhärten kann, und durch das Strömen kann sie sich auflösen.

Schon während des Webinars begann ich also zu strömen und spürte sofort dieses Weiche. Toll, dachte ich, das klappt ja super.

Aber! Dann kam der nächste Tag.

Der körperliche Schmerz wurde tatsächlich leiser – dafür tat das Weiche (neu Aufgeweichte?) in mir plötzlich emotional soooo weh. Kaum auszuhalten. Und zack! Waren die Rückenschmerzen wieder heftiger. So ging das tage-, teils stundenweise hin und her: Wurde es auf der emotionalen Ebene zu viel, übernahm der Körper wieder den Schmerz. Durfte es weitergehen, waren die Rückenschmerzen fast weg.

Zum ersten Mal begriff ich Schmerz nicht als Feind, sondern als Freund. Als jemanden, der genau dann einspringt, wenn eine meiner Ebenen es gerade nicht allein tragen kann.

„Listen only to harmony“, hatte Mary Burmeister einmal geschrieben. Hatte sie diesen Prozess damit gemeint?

Ansammlungen – ganz anders, als ich dachte

„Bei Ansammlungen jeglicher Art anwenden“ – diesen Satz hatte ich mir in unzähligen Kursen zum Thema Blasenstrom notiert. Ich hatte allerdings immer eine völlig andere Vorstellung davon gehabt, was es bedeutet, als das, was dann tatsächlich geschah.

Ich begann, meine Schränke zu entrümpeln. Kleidungsstücke, meterweise Stoffe von der Nähleidenschaft, Bücher, die nicht mehr gelesen werden wollten. Sogar mein Adressbuch war dran: Zwei Freundschaften, die ihre Zeit gehabt hatten, endeten in dieser Zeit. Ohne Tränen, ohne Zögern. Weil es dran war. Auch dies sind Ansammlungen, die unter Umständen schwer wiegen können.

Und auch körperlich lösten sich Ansammlungen: Die Hornhaut an meinen Fersen verschwand, ohne „Adieu“ zu sagen – plötzlich hatte ich weiche, zarte Füße. „Das Wunder des Blasenstroms!“, dachte ich, als ich es zufällig bemerkte.

Der Blasenstrom, der mich weichspülte, öffnete in meinem Inneren noch ein weiteres Tor: meine selbst auferlegte Mangelhaltung. „Nein, nein, das reicht doch, ich brauch’ nicht so viel.“ Warum ich mir diese Sätze so fest eingemeißelt hatte, vermag ich nicht zu sagen. Es ist auch unerheblich – ich spürte, dass sie aufweichten, dass ich mir immer mehr von dieser viel gepriesenen „Fülle“, die besonders in der spirituellen Community besungen wird, zulassen konnte.

Die Matratze als spirituelle Lehrerin

Mein Mann und meine Mutter telefonieren in dieser Zeit heimlich miteinander und beschließen, mir eine superduper Luxusmatratze zum Geburtstag zu schenken. Sie möchten nicht, dass ich mit Rückenschmerzen leben muss. Ich schmelze dahin! So ein Luxusteil! Ich kann es mit offenem Herzen annehmen und mache meine nächste wichtige Erfahrung.

Die erste Nacht auf der neuen Matratze ist der reinste Horror. Sie ist weich und fluffig und passt sich dem Körper in jeder Haltung an. Meine Vorstellung davon war gewesen, dass ich mich hineinlege und alles wird gut. Auf Knopfdruck. Doch leider sind meine Rückenschmerzen nach dieser ersten Nacht schlimmer denn je, ich bin froh, als ich endlich aufstehen „darf“.

Die zweite Nacht ist nicht besser, und ich denke bereits heimlich daran, die Matratze zurückzugeben und die alten Zustände wiederherzustellen. Und noch während ich darüber brüte, wird mir klar, dass es nichts Banales gibt. Diese Situation lässt sich auf alles andere im Leben übertragen.

Wenn ich der Weichheit mit Härte begegne, endet es im Schmerz.

Die Matratze ist weich und anschmiegsam. Auf diese Art von Weichheit muss ich mich erst einzulassen lernen. Mein Rücken, eigentlich mein ganzer Körper, ist hart und angespannt, und wenn diese Härte nun auf die Weichheit der Matratze trifft, kollidieren Welten. Erst, als ich mich stufenweise auf die neue Weichheit einlasse, merke ich, wie ich mehr und mehr in die Entspannung gehen kann. Eine Matratze als spirituelle Lehrerin? Warum nicht? 🙂 Bereits in der dritten Nacht kann ich mich entspannen.

Wenn Körper und Gefühl dasselbe meinen

Der Blasenstrom blieb noch zwei weitere Monate mein täglicher Begleiter. Ich hätte mir in dieser Zeit ein Schild umhängen können: „Wegen Umbau bleibt diese Filiale vorübergehend geschlossen.“ Denn die Auswirkungen waren tiefgreifend – die Schmerzen diffundierten vom Körper in die Emotionen und wieder zurück, im stündlichen Wechsel.

Irgendwann im Herbst merkte ich, dass die Energiespeicher gefüllt waren. Das drängende Verlangen, zweimal täglich den Blasenstrom zu strömen, ließ nach. Ich begann, andere Ströme wieder für mich zu entdecken. Gut so – denn ich möchte nicht vom Kopf her strömen, sondern aus dem Fühlen heraus.

Heute habe ich nur noch ab und zu Rückenschmerzen. Und wenn, dann kann ich sie annehmen. Ich weiß ja, was zu tun ist.

Die größte und tiefgreifendste Erfahrung aus diesen Monaten: Ich konnte fühlen, dass körperlicher Schmerz und emotionaler Schmerz nicht getrennt voneinander sind. Sie sind lediglich eine andere Spielart, eine andere Ausdrucksebene. Und ich habe einen ganz neuen Respekt für die Weisheit meines Körpers gewonnen.

Er ist mein Freund! Ich habe nur diesen einen Körper, und ich habe gelernt, ihm auf neue Art und Weise zuzuhören. Und zu vertrauen.

Ström-Tipp: So kannst Du den Blasenstrom ausprobieren

Der Blasenstrom ist einer der schönsten Selbsthilfeströme, um genau das zu üben – Vertrauen ins eigene Weichwerden.

Und das Strömen ist denkbar einfach: Lege die rechte Hand auf Deinen Hals, genau mittig (4. Halswirbel). Sie bleibt während des gesamten Strömvorgangs dort.

Die linke Hand liegt unter dem Steißbein. Nach einigen Atemzügen, vielleicht sogar nach einigen Minuten, wandert die linke Hand in die linke Kniekehle. Atmen, fließen lassen, und nach einigen Minuten wandert die linke Hand unter den linken Außenknöchel. Zuletzt greifst Du Deinen linken kleinen Zeh (die rechte Hand befindet sich immer noch am Hals).

Für die andere Seite kehrst Du die Sequenz einfach um.

Lass Dir beim Strömen Zeit. Du kannst nichts falsch machen, Deine Hände liegen einfach leicht und ohne Druck auf Deinem Körper, und womöglich kannst Du schon nach wenigen Atemzügen spüren, wie Du ruhiger und entspannter wirst. Es gibt kein Ziel, welches zu erreichen wäre. Alles darf einfach sein.


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Von Johanna Wienzek

ÜBER MICH: Ich bin Jin Shin Jyutsu Praktikerin aus Krefeld. Im Jahr 2000 habe ich Jin Shin Jyutsu, auch als "Strömen" bekannt, kennengelernt. Nach meiner Ausbildung zur Jin Shin Jyutsu Praktikerin und Selbsthilfelehrerin habe ich 2004 meine eigene Praxis gestartet. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich diese Kunst bis heute mit so vielen Menschen teilen darf. Ich gebe Selbsthilfekurse und auch Einzelbehandlungen. Mein Leitmotiv ist: Zurück in die Einfachheit. Es ist alles schon da! Außerdem bin ich Bloggerin und ein Great Ager: Ich ermutige Frauen, jenseits von Altersklischees ein großartiges Leben zu führen. Ich schreibe nicht nur darüber, sondern kombiniere es mit dem Strömen - ein einfacher, kraftvoller und äußerst effektiver Weg zur Selbstermächtigung. Mehr über mich findest Du hier: Über mich.

1 Kommentar

  1. Liebe Johanna,
    genau, der Blasenstrom ist so super! Danke für die Erinnerung!

    Er hat mir so gut geholfen Anfang des Jahres. Es dauerte einige Zeit, bis er wirkte, aber dann schwups… auf einmal waren die Rückenschmerzen weg! Wie toll ist das denn!
    Jetzt ströme ich ihn wieder, weil ich wieder Unterstützung brauche.
    Allerdings mache ich ihn verkürzt, nur 3 Schritte und höre mit SES15 auf. Ich denke, das ist auch ok.

    Liebe Grüße und vielen Dank Johanna für deine Strömtipps und den Blogartikel.
    Genau, „glow with the flow“ und meine Devise ist, „let it go“, ich denke, das kommt auf das Gleiche hinaus!

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