Mein August 2026 war sehr erdend. Es war ein Monat, der mir Bodenhaftung und die Leichtigkeit des Seins ein gutes Stück zurückgebracht hat, nachdem der Juli sehr fordernd gewesen war. Es war auch der Monat, in dem ich die Gleichzeitigkeit von großartigem, wunderbarem Leben und Schmerz erfahren habe, und ich habe mich von einem mega Leistungsdruck befreit.
In diesem August habe ich begriffen, dass es nicht DEN perfekten Sommer-Look gibt, dass ich nicht immer alles korrekt hinbekommen kann und dass es so wertvoll ist, das wundervolle, satte Leben ungefiltert zuzulassen. Am Leben zu sein, das ist schon das Geschenk. Alles andere ist Dreingabe.
Und ich habe auch diesen Monat wieder einige „Mitnehmsel“ und ein paar „Dalasse“. Aber lies wie immer selbst.
Wie ging es mit meiner Mutter weiter?
Ich hatte im Juli-Rückblick davon erzählt, wie der Versuch meiner Mutter, selbstbestimmt ins Pflegeheim einzuziehen, gründlich daneben gegangen war. Ich habe darauf unglaublich tolle, wertschätzende und empathische Rückmeldungen erhalten, und dafür danke ich allen von ganzem Herzen.
Pflege und Betreuung sind Themen, an denen Great Ager nicht vorbeikommen – das bringt das Lebensalter mit sich, und wenn man das Glück hat, im Great-Ager-Alter noch Eltern zu haben, die diesseits der Wolken leben, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem diese Unterstützung benötigen. Da bleibt kein Auge trocken!
Nachdem wir uns sortiert und den Schock des Pflegeheim-Abenteuers verarbeitet hatten, haben wir begonnen, neue Strukturen im Alltag zu schaffen. Meine Mutter ist ohnehin bereits seit drei Jahren zwei Mal wöchentlich in der Tagespflege hervorragend untergebracht, und sie hat die Anzahl der Tage erhöht, um gut versorgt zu sein – und mich zu entlasten. Weiterhin ist jetzt auch eine Alltagshilfe im Einsatz, die für Entlastung im Haushalt sorgt, plus Essen auf Rädern. Ich teile das hier so detailliert, weil ich weiß, dass viele meiner Leserinnen in ähnlichen Situationen leben und hoffentlich den einen oder anderen Impuls mitnehmen können.
Alles entsteht im Tun. Wir sind uns einig: Es wird nicht funktionieren, wenn meine Mutter und ich uns einfach nur noch mehr anstrengen, um alles zu stemmen. Nein. Das ist nicht der Weg. Wir analysieren, sind ehrlich und konstruktiv, und manchmal auch sehr emotional und temperamentvoll – Leben live. Das Wesentliche ist: Wir bleiben im Gespräch und sind verbunden. Wir holen uns Hilfe, wo erforderlich, und freuen uns über die Bereiche, die wir gut alleine schaffen. Und für einen Kaffee und Eis zwischendurch nehmen wir uns immer Zeit. Ich bin einfach glücklich, dass meine Mutter nicht nur ihr Wohnumfeld, sondern vor allem ihre Würde behalten kann, und wir das Beste aus allem herausholen. Das macht mich einfach dankbar und gibt mir die erforderliche Kraft, die Pflege und Betreuung definitiv benötigen.
Ganz wichtig ist natürlich das Energiemanagement meiner eigenen Lebensbatterie. Gerade als pflegende Tochter ist es super wichtig, immer wieder aufzutanken. Ich habe mir selbst verordnet, ganz viele Glücksmomente in meinen Alltag einzubauen, damit ich immer aus dem Vollen schöpfen kann. Das ist zum einen (natüüüürlich!) das Strömen, aber auch Achtsamkeit im Umgang mit meinen Ressourcen ist ein Thema. Und das führt mich direkt zum nächsten Punkt.
Entspannt im Hier und Jetzt dank weniger Social Media
Social Media ist ein Zeitfresser. Das wissen wir alle, und doch ist es ach so verlockend, noch einmal kurz zu schauen, was es Neues oder „Wichtiges“ gibt. Hey, ich bin Teil des Systems, ich finde online immer sehr viele tolle Inspirationen und gute Inhalte, und ich poste selbst gern und viel – wenn ich etwas zu sagen habe. Ich halte nichts von Blabla-Posts, nur, um auf die „erforderliche“ Stückzahl für den Algorithmus zu kommen. Das ist für mich diametral entgegengesetzt zu meiner inneren Haltung. Ich fühle mich wie eine Laborratte, die allerlei Dinge unternimmt, um ein Leckerchen zu verdienen.
Ich habe also beschlossen, mich nicht länger vom Algorithmus-Stress gängeln zu lassen. Das ist doch bei näherer Betrachtung auch vollkommen überflüssig. Da sitzt irgendwo in einem teuren, exklusiven Büro in den USA ein Milliardär und denkt sich immer wieder neue, willkürliche Hürden aus, die man als Content-Creator gefälligst befolgen muss, um in den Reigen des Algorithmus aufgenommen zu werden. Früher waren das die Punkte, die man nach Umbrüchen machte, dann Hashtags, dann wieder keine Hashtags – es ist einfach absurd. Es ist wichtig, dreimal die Woche etwas zu posten, sonst droht weniger Sichtbarkeit. Und ganz schlimm: Bestimmte Themen und Worte dürfen nicht verwendet werden, sonst wird man gesperrt oder eingeschränkt.
Ich nenne das Zensur.
Ich entziehe mich selbiger. Die Spaltung wird gerade in den Socials sehr stark betrieben. Es gibt immer die Guten und die Bösen, und wehe, man ist nicht einer Meinung mit der Mehrheit (ganz gleich, welche Geisteshaltung dahintersteckt!). Aber ganz ehrlich: Ich hab’ einfach keinen Bock mehr darauf. Ich lasse mir nicht länger vorschreiben, wann ich was sagen darf oder nicht, und schon gar nicht, wann ich welche Punkte wohin setzen soll, um dann fein mit Sichtbarkeit „belohnt“ zu werden.
Danke, ohne mich. Ich schreibe und poste nur noch, wenn ich inhaltlich Relevantes zu sagen habe, und ich erreiche genau meine Klientel. Über Resonanz. Nicht über Algorithmus.
Das Thema ist nicht neu, für mich dennoch ein wichtiger Schritt in die Welt „da draußen“. Ich habe es sogar verbloggt: Bye, bye, Algorithmus-Stress! Das Coole daran: Ich stelle fest, dass die Spaltung vor allem online stattfindet. Die wahre Welt in 3 D ist ganz, wie könnte sie es auch nicht sein? Das Leben ist vielfältig, die Menschen ebenso, und wenn ich mit offenem Herzen in die Welt gehe, sehe ich sehr viel mehr Verbindendes als Trennendes. Das bringt einen enormen Frieden mit sich.
Mut zur Lücke
Mein innerer Frieden geht sogar so weit, dass ich mich in diesem August 2026 auf den Mut zur Lücke einlasse. Ich kann nicht immer alles perfekt und wasserdicht schaffen. Das gehört zum Menschsein einfach dazu. Zurück zur Bodenhaftung. Zurück zu mir. Denn während ich mich abmühe, allen politisch vermeintlich korrekten Formulierungen, Akzeptanzen von Minderheiten, Mainstream- und Outlaw-Strömungen gerecht zu werden, gerate ich unter die Räder. Bleibe ich mit mir verbunden, ist es mir hingegen möglich, zutiefst menschlich und empathisch zu sein.
Diese Haltung geht einher mit Weite. Innen und außen tun sich plötzlich neue Räume auf. Ich habe einen Termin mit meiner Stylistin Kathy Gering, und wir entwerfen ein Konzept zum Sichten, Ordnen und Entrümpeln meines Kleiderschranks. „Es geht immer um Deine jetzige Version“, sagt Kathy. Das ist für mich der Schlüsselsatz. Ich kann endlich alte, überholte Versionen meiner Selbst loslassen, und ich erkenne: Es gibt nur jetzt. Also, nicht, dass ich das nicht schon immer gewusst hätte, aber jetzt spüre ich es auf eine besondere Art und Weise.
Ich muss nicht erst auf DAS perfekte Sommeroutfit warten, um den Sommer zu genießen. Und auch die äußeren Umstände sind zweitrangig, denn dem Sommer ist es egal, ob meine Terrasse perfekt ist oder nicht – er findet statt, verströmt sich in verschwenderischer Pracht und gibt alles, zu jeder Zeit.
Mut zur Lücke, das zieht sich wie ein roter Faden durch den August. Ob die Neuorganisation der Betreuung meiner Mutter, das Risiko, bei Instagram nicht gefunden zu werden, oder auch mein gesundheitlicher Zustand, der logischerweise ebenfalls Schwankungen unterliegt: All das darf sein, und die Lücke füllt sich mit neuen, nie gekannten Wundern.
Es ist nicht alles Spike, das schmerzt
Nach fast fünf Jahren (unfreiwilliger) Erfahrung mit dem Post Vac Syndrom mit dazugehöriger Multisystemerkrankung bin ich im August wieder mit den Spätfolgen konfrontiert worden. Erst im März bin ich spikenegativ getestet worden, und ich hatte einige wirklich tolle, schmerzfreie Monate. Treppensteigen, Krafttraining, lange Spaziergänge ohne Schmerzen wurden allmählich zur Selbstverständlichkeit. Waren sie aber nicht. Sie waren immer ein Geschenk, wie ich jetzt sehe. Nichts ist selbstverständlich.
Was ist geschehen? Ein simpler Kriebelmückenstich, im Sommer ein durchaus normales Ereignis, hat bei mir eine überschießende Reaktion ausgelöst. Die Schmerzen erinnern mich stark an die Post-Vac-Zeit, aber ich bleibe gelassen. Ich suche mir umgehend ärztliche Unterstützung. Das Leben und der August verströmen sich, und ich sehe ein weiteres Mal: Der menschliche Körper ist ein Wunder. Ich kann dieses Mal sehr viel schneller reagieren und das Ruder herumreißen. „Wird schon, Mäuserle!“, pflegte meine Oma Mimi immer zu sagen. Wird auch! Und ich bekomme wieder Bodenhaftung, anstatt verbittert zu sein über die Schädigung durch die Spikeproteine.
Im Zuge dieser Erfahrung beschäftige ich mich mit dem Thema „Schmerz“. Was bedeutet das eigentlich? Wie fühlt es sich an? Was geschieht im Körper, was im Geist? Ich schreibe darüber, und ich ströme mich dabei sehr viel. Und immer wieder unterschätze ich die Wirkung des Strömens. Eines Abends merke ich: WOW! Die Schmerzen sind weg. Dabei hab ich doch gar keine Medikamente genommen! Bis mir einfällt – ich hab mich aber geströmt. Die Wirkung ist derart subtil, dass sie mir erst auffällt, als ich schmerzfrei bin.
Ich krame in meinen alten Aufzeichnungen und finde einen Rohtext über den Blasenstrom. Genau das habe ich gebraucht! Ich schreibe den Text um und verblogge ihn, und er ist mir seither präsent im Herzen und im Körper: „Der Blasenstrom. Mein Weg zu mehr Weichheit“.
Und dann gehe ich in dieser Phase tanzen, und ich stehe (mit mittleren Schmerzen) am Rande der Tanzfläche, und es überkommt mich ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit. Was ist das Leben doch großartig! Ein Geschenk, nein, DAS Geschenk schlechthin, und alles andere ist ein Bonus.

Meine Mitnehmsel aus dem August 2026
Ich nehme in den September mit:
- Bodenhaftung.
- Unvollkommenheit.
- Weichheit.
- Dankbarkeit.
- Gewonnene Zeit.
- Jetzt.
Die Dalasse: Das lasse ich im August 2026
- Schmerzen.
- Social-Media-Druck.
- Streben nach Perfektion.
- Alte Versionen meiner Selbst.
- Spaltung.
Das Füllhorn
Diese Dinge haben mich im August erfüllt und mir Energie gegeben:
- Ein Tag Urlaub in Venlo: ein wahrer Jungbrunnen.
- Neues Restaurant entdeckt: Das „Kamala“ in Krefeld ist wie ein Urlaub au Sri Lanka.
- Großartige Abende auf unserer Terrasse mit großartigen Freunden.
- Selbstgemachtes Marzipaneis.
- Meine Abi-Gruppe! Nächstes Jahr haben wir unser 40. Jubiläum – wie konnte das passieren? Ich war doch die ganze Zeit dabei. 🙂 Jetzt gibt es eine WhattsApp-Gruppe, und wir sammeln Adressen und Profile in der ganzen Welt. Toll!
- Tanzen (na klar!).
- Das Gym.
- Unsere Feldrunde, der Klassiker unter den Klassikern.
- Die Sonnenfinsternis.
- Schreiben. Ich habe drölfundneunzig Texte in Arbeit, ein veritables Füllhorn!




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ÜBER MICH: Ich bin Jin Shin Jyutsu Praktikerin aus Krefeld. Im Jahr 2000 habe ich Jin Shin Jyutsu, auch als „Strömen“ bekannt, kennengelernt. Nach meiner Ausbildung zur Jin Shin Jyutsu Praktikerin und Selbsthilfelehrerin habe ich 2004 meine eigene Praxis gestartet. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich diese Kunst bis heute mit so vielen Menschen teilen darf. Ich gebe Selbsthilfekurse und auch Einzelbehandlungen. Mein Leitmotiv ist: Zurück in die Einfachheit. Es ist alles schon da!
Außerdem bin ich Bloggerin und ein Great Ager: Ich ermutige Frauen, jenseits von Altersklischees ein großartiges Leben zu führen. Ich schreibe nicht nur darüber, sondern kombiniere es mit dem Strömen – ein einfacher, kraftvoller und äußerst effektiver Weg zur Selbstermächtigung.
Mehr über mich findest Du hier: Über mich.

